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Wiederbelebung in der Praxis

Geschrieben am 26.05.2018
von Camper-Coach

Liebe Camporios,

zusammen mit dem Wiederbelebungs-Experten und Oberarzt der Intensivmedizin der Universitätsmedizin in Mainz, Dr. med. Ingo Sagoschen, zeige ich euch, wie die Wiederbelebung in der Praxis funktioniert.

Hier ein Überblick:

Alle Schritte könnt ihr euch auch im Video weiter unten im Text anschauen!

1. Auf Sicherheit achten

Zunächst müsst ihr zu allererst auf eure eigene Sicherheit achten. Dies kann beim leblosen Patienten auf der Straße der laufende Verkehr sein oder im Haus der Kontakt zu stromführenden Gegenständen, welche den Kreislaufstillstand ausgelöst haben. Ist die Situation sicher, könnt ihr euch dem Patienten nähern, um herauszufinden, was ihm fehlt.

2. Bewusstsein prüfen

Zeigt der Patient keine spontanen Reaktionen, so solltet ihr zunächst sein Bewusstsein prüfen. Dazu berührt ihr die Schultern des Patienten und sprecht ihn laut und deutlich an: „Ist alles in Ordnung?“ Reagiert er auf die Ansprache, belasst ihr ihn in der Position und versucht herauszufinden, was das Problem ist. Dabei redet ihr weiter mit ihm, um regelmäßig das Bewusstsein zu kontrollieren.

3. Atemwege freimachen

Als nächstes solltet ihr die Atmung des Patienten überprüfen. Dazu hebt ihr das Kinn an und überstreckt den Kopf, um die Atemwege frei zu machen und die freie Atmung zu ermöglichen. Durch das Überstrecken des Kopfes wird der Zungengrund angehoben und die beim Bewusstlosen häufig zu sehende Verlegung der Atemwege beseitigt.

4. Atmung prüfen

Nun haltet ihr den Kopf des Patienten in dieser überstreckten Position und bringt euer eigenes Ohr vor Mund und Nase des  Patienten mit Blickrichtung zu seinem Brustkorb und Bauch. Durch Sehen (Blick auf den Brustkorb), Hören (Atemgeräusch) und Fühlen (Lufthauch an eurer eigenen Wange) prüft ihr, ob der Patient atmet. Eine normale Atmung ist leicht seh-, hör- und fühlbar und erfolgt normalerweise 10 bis 15 Mal pro Minute, also alle 4 bis 6 Sekunden ein Atemzug. Atmet der Patient nicht oder nicht normal, also vor allem zu langsam und zu flach, so ist dies als Zeichen eines vorhandenen oder drohenden Kreislaufstillstandes zu deuten. Besonders solltet ihr beachten, dass der Mensch einige Sekunden nachdem das Herz stehengeblieben ist, noch weiteratmen kann und dann im Übergang eine sogenannte „Schnappatmung“ zeigen kann. Diese bezeichnet einige langsame, unterschiedlich ausgeprägte Bewegungen des Kopfes und Kiefers, welche leicht mit einer angestrengten Atmung verwechselt werden können. Diese stellen aber keine normalen Atemzüge dar! Mit der Feststellung, dass der Patient nicht oder nicht normal atmet, gilt der Kreislaufstillstand als hoch wahrscheinlich, so dass bei allen weiteren Maßnahmen entsprechend vorgegangen werden muss.

5. Hilfe holen – Notruf 112

Bevor nun weitere Maßnahmen erfolgen, müsst ihr einen Notruf absetzen. Dies ist immanent wichtig, da nur so gesichert ist, dass professionelle medizinische Hilfe auf den Weg gebracht wird, um die weitere Behandlung einzuleiten. Sind zwei oder mehrere Helfer an eurer Seite, kann der Notruf parallel zu den weiteren Maßnahmen erfolgen. Einheitliche Rufnummer für den Notruf ist die europaweit einheitliche Notrufnummer „112“. Dies gilt in allen Ländern aus Mobil- und Festnetz und ohne weitere Vorwahlen. Ihr werdet automatisch mit der zuständigen nächsten Notrufzentrale verbunden. Hier müsst ihr nun wichtige Angaben zum Geschehen machen, welche die Helfer an den Einsatzort leiten:

  1. Wo ist es passiert?
  2. Was ist passiert?
  3. Wie viele verletzte Personen?
  4. Welche Verletzungen haben diese Personen?
  5. Warten auf Rückfragen, nicht sofort auflegen!

Seid ihr euch nicht sicher, was nun zu tun ist, werden euch die Mitarbeiter der Notrufzentrale auch bei den weiteren Maßnahmen anleiten.

6. 30 Herz-Druck-Massagen

Nun müsst ihr versuchen, durch zwei wichtige Maßnahmen den Kreislauf des Patienten so lange zu ersetzen, bis die professionelle Hilfe eintrifft und spezielle Maßnahmen einleiten kann. Dies geschieht in Form sogenannter Herz-Druck-Massagen und Beatmungen. Zunächst dreht ihr den Patienten auf den Rücken und öffnet Jacken und dicke Pullover, welche die Maßnahmen behindern können. Nun sucht ihr den Druckpunkt für die Herz-Druck-Massage auf: in der Mitte des Brustbeines und in der Mitte des Brustkorbes setzt ihr eure beiden Hände auf den Patienten auf und beugt euch über den Patienten, um nun den Brustkorb gegen die Unterlage/den Boden zu komprimieren. Die Eindrucktiefe beträgt 5 bis 6 cm und die Kompressionen sollten 100 bis 120 Mal pro Minute erfolgen. Dabei müsst ihr unbedingt darauf achten, zwischen zwei Kompressionen den Brustkorb komplett zu entlasten und den Druckpunkt nicht zu verlieren.

7. 2 Beatmungen

Nach 30 Kompressionen folgen 2 Beatmungen. Dazu überstreckt ihr wieder den Kopf des Patienten wie bei der Atemkontrolle, presst euren eigenen Mund auf den Mund des Patienten und führt 2 Atemspenden (Beatmungen) aus. Dabei haltet ihr die Nase des Patienten mit den Fingern verschlossen. Die Atemspende umfasst einen normalen eigenen Atemhub. Ihr sollt also nicht besonders tief einatmen oder fest pusten. Für die Ausatmung lasst ihr den Patienten ca. 1 Sekunde Zeit. Sollte die Beatmung technisch schwierig für euch sein, so probiert es maximal 2 Mal, bevor ihr wieder mit den Herz-Druck-Massagen weitermacht. Herz-Druck-Massagen und Beatmungen wechseln sich im Verhältnis von 30:2 ab. Das heißt, nach 30 Herz-Druck-Massagen führt ihr 2 Beatmungen durch. Die Unterbrechungen der Herz-Druck-Massagen solltet ihr dabei so kurz wie möglich halten. Gerade die Herz-Druck-Massagen werden für euch sehr anstrengend sein. Daher sollte nach etwa 4 bis 5 Minuten ein Wechsel des Helfers stattfinden, da bei körperlicher Erschöpfung, auch wenn diese in der Stress-Situation nicht direkt spürbar ist, die Qualität der Herz-Druck-Massagen deutlich nachlässt. Diese Maßnahmen der Ersten Hilfe müsst ihr so lange fortsetzen, bis der Rettungsdienst eintrifft und die Fortführung der Versorgung übernimmt.

Denkt dran, jeder kann helfen! Am besten schaut ihr euch nochmal meinen Blog „Wiederbelebung – Jeder kann helfen“ an.

Euer

Camper-Coach